Praxis für Lerntherapie Erika Narajek

Jedes Kind kann Lesen, Schreiben und Rechnen lernen!

Lerntherapie

Die Lerntherapie widmet sich hauptsächlich Kindern und Jugendlichen mit Lern- und Leistungsstörungen. Sie orientiert sich am Teufelskreismodell von Betz und Breuninger und setzt an den Ressourcen und Stärken der Betroffenen an. Sie unterstützt Kinder und Jugendliche mit Schwächen im Lesen, Schreiben oder Rechnen bei der Entwicklung von Selbstwertgefühl, Motivation und Lernmethoden und sichert Erfolgserlebnisse in der Lernentwicklung. Dabei werden das schulische und familiäre Umfeld mit einbezogen. Die Lerntherapie bildet die Schnittmenge zwischen Beratung, Förderung schulischer Fertigkeiten, Psychotherapie und Funktionstraining.
Die integrative Lerntherapie wird in einem Einzelsetting (Klient und pädagogische-psychologische Fachkraft) durchgeführt.
Die Initiierung von Lernprozessen, der Aufbau von Motivation, Konzentration, sozialer Kompetenz spielt eine wesentliche Rolle. Die hohe Strukturierung der Lernsituation, Vermittlung von Lernstrategien und die Selbstinstruktion des Klienten haben das Ziel, dass sich der Klient schnell wieder als leistungsfähige und erfolgreiche Person wahrnimmt, die aus eigenen Kräften schulische Schwierigkeiten bewältigen kann.
Die Einbeziehung von Lehrkräften in eine Lerntherapie beruht meist auf Informationsaustausch. Gründe, Ziele und Fortschritte einer Lerntherapie werden besprochen und mögliche Unterstützungsmaßnahmen seitens der Lehrerkräfte im Unterricht erörtert. Dies ist in aller Regel ein so genannter Nachteilsausgleich, der den Schülerinnen und Schülern in Form von Notenschutz (keine Benotung, falls die Arbeit schlechter als die Note 4 ausfallen würde), Zeitverlängerung oder alternativen Prüfungsformen (Lückendiktat, mündliche Abfragen) gewährt werden kann. Beraten werden die Lehrkräfte aber auch bei einer, für das Kind, sinnvollen Sitzposition und im Umgang mit den spezifischen Lernproblemen.
Im Elternhaus wird oft eine Strukturierung der täglichen Lern- und Lebenssituationen, die sich oft belastend auf die Familien auswirken, vorgenommen. Häufig führen die Lernprobleme des Kindes zu Schwierigkeiten bei der Erledigung der Hausaufgaben, die sich dann über viele Stunden, verbunden mit Streit und Ärger, hinziehen können. Eltern und Kind lernen gemeinsam die häusliche Lernsituation zu strukturieren. Dazu gehört das Bestimmen von festen Zeiten für die Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung, die Organisation des Arbeitsplatzes (Zusammenstellung von Materialien, Schreibtisch aufgeräumt halten etc.) und ein Zeitmanagement.
Die Lerntherapeuten dieser Praxis verfügen über umfassende theoretische und praktische Kenntnisse aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Linguistik, Mathematik und Didaktik. Diese Kenntnisse werden permanent an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst und münden in individuellen Förderkonzepten.

Ablauf

• telefonischer Erstkontakt
• persönliches Erstgespräch / Eingangsberatung und Anamnesegespräche
• Bestandsaufnahme der Lernschwierigkeiten (Diagnostik)
• ergänzende Förderdiagnostik
• Erstellung eines individuellen Therapieplans
• Terminfestlegung (ausschließlich Einzelförderung) 1-2 mal in der Woche á 45 Minuten
• Angebot von Ferienterminen
• Informationsaustausch mit den Klassen- und Fachlehrern sowie Fachärzten, Jugendämtern andere Therapeuten
• regelmäßige Elterngespräche
• Dokumentation des Therapieverlaufs
• Verlaufsdiagnostik und Anpassung des Therapieplans
• Abschlussgespräch und -bericht

Methoden

In der Lerntherapie werden, je nach Bedarf, u.a. folgende Methoden und Programme eingesetzt:
• Beratung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrern
• Diagnostik von Lern-Leistungsstörungen
• Vermittlung von Lernstrategien
◦ kognitiv - (bessere Informationsverarbeitung durch den Aufbau von Wissens- Gedächtnisstrategien, Wichtiges von Unwichtigem trennen etc.)
◦ metakognitiv – Regulierung und Steuerung des Lernverhaltens – Zielauswahl, Planung, Strategieauswahl, Fehler finden und korrigieren)
◦ motivational – Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit, Attribution, Selbstinstruktion und Selbstbekräftigung, Erfolgserwartung
• Vermittlung von Lerntechniken (u.a. Strukturierung von Lern- und Arbeitssituationen)
• Training der Aufmerksamkeit (Lauth/Schlottke)
• Lese-Rechtschreibförderung Förderung
• bei Dyskalkulie / Rechenschwäche
• Entspannungstechniken (Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson)

Legasthenie /Lese- Rechtschreibstörung

Die Lese- Rechtschreibförderung ist ein Teil der integrativen Lerntherapie und orientiert sich an den Entwicklungsmodellen die aus den Analysen von Lese- und Schreibprozessen und ihren möglichen Störungen hervorgehen. Nach der diagnostischen Klärung auf welcher Stufe sich das Kind befindet, welche Einsichten es über die Schriftsprache gewonnen hat, beginnt die Wahl der geeigneten Therapiemethode und des geeigneten Materials. Das Fördermaterial wird unter Berücksichtigung des bisherigen sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklungsstandes auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Hierzu zählen:


Phonologische Bewusstheit
Sprache besteht aus Sätzen, Wörtern, Silben und Lauten. Diese Struktur und Zerlegbarkeit muss vom Kind erkannt und angewendet werden können. Ein Training der phonologischen Bewusstheit ist dann wichtig wenn sich schon früh in der Schriftsprachentwicklung Probleme zeigen. Geübt wird das Hören von An- und Auslauten, Wörter in Silben zerlegen und Silben zu Wörtern zusammenfügen, Identifizieren von Phonemen.


Einführung und Sicherung der Buchstaben und Laute
Oft können Kinder, die Schreibbewegungen noch nicht automatisiert haben, Buchstaben nicht aus dem Gedächtnis abrufen. Mit Hilfe von Motorik (Lautgebärden, Buchstaben in die Luft schreiben etc.) können Kinder eine sichere Handhabung der Buchstabenschreibung erlangen.


Festigung der Phonem-Graphem-Korrespondenz
Überprüft und gefördert wird die Zuordnung von Phonemen (Laute) zu Graphemen (Buchstaben). Dabei werden auch mehrgraphemische Laute (sp, st, sch, ei, u.a.) trainiert.


Silbenorientierte Arbeit
Die sprachliche Informationsverarbeitung wird durch die Silbensegmentierung erleichtert.  Sie verdeutlicht die Zusammensetzung einer Silbe (Vokal und Konsonant) und die Wortsynthese mit Silben. Es wird zunächst nur mit lautgetreuem Wortmaterial gearbeitet, es kommen also weder Doppelung, Dehnung noch Auslautverhärtungen (z.B. bei dem Wort „Wald“ klingt das „d“ wie ein „t“) vor.


Morphemorientierte Arbeit
Wörter werden hier nicht nach Silben gegliedert sondern in sinntragende Einheiten zerlegt. Mit Hilfe des Wortstammprinzips lernen die Kinder das Wörter aus Vorsilben, dem Wortstamm und einer Wortendung bestehen. Aber auch das Üben der Umlautkonstanz (Baum-Bäume), die Auslautverhärtung (Wald-Wälder) und die Doppelkonstanz (rennt- rennen) können mit der morphematischen Methode trainiert werden.


Pilotsprache
Der Begriff Pilotsprache für die Rhythmisierung der Sprache, wurde von Reuter-Liehr geprägt (vgl. Reuter-Liehr (1992). Im Unterschied zum Regeltraining bietet die Pilotsprache vorerst eine deutliche Entlastung beim Schreiben lauttreuer Wörter. Die in einem Wort zu schreibenden Laute können durch überdeutliches Mitsprechen, in silbengliedernder Aussprache, hörbar gemacht werden. Dies ist gerade bei Wörtern, die in der Umgangssprache abweichend artikuliert werden, sinnvoll. Neben dem deutlichen Sprechen der Silben werden auch Konsonantencluster zerlegt.


Einüben von Rechtschreibregeln
Eine systematische Vermittlung der Schreibung von Wörtern anhand eines einfachen Regelsystems. Das Kind erarbeitet Regeln zur Dopplung, Dehnung, Umlautkonstanz, Auslautverhärtung und Groß- und Kleinschreibung.


Aufbau und Sicherung eines Grundwortschatzes
Mit Hilfe eines Karteikartensystems können Wörter, die häufig in Texten gelesen bzw. geschrieben werden müssen geübt werden. Das Kind kann diese Wörter selbstständig üben. Damit in Verbindung kann die Nutzung eines Wörterbuchs stehen. Dies kann jedoch erst dann erfolgen, wenn das Kind neben der sicheren Beherrschung des Alphabets auch schon weitreichende Rechtschreibkenntnisse aufgebaut hat. Ansonsten könnte es zu Problemen (Frustration) bei der Suche von Wörtern kommen wenn z.B. an der falschen Stelle gesucht wird.


Dyskalkulie / Rechenstörung

Unter einer Rechenstörung versteht man ein Defizit in der basisnumerischen Verarbeitung. Kinder und Jugendliche können die Bedeutung und Funktion von Zahlen nicht gut erfassen. Dadurch fallen auch schon einfache Aufgaben wie Zahlenvergleiche oder Zählen schwer. Andere kognitive Fertigkeiten sind dabei nicht beeinträchtigt. 

Die Ursachen sind multicausal, Disposition, Merkmale des Kindes und Verhalten und Umweltbedingungen spielen bei der Entwicklung einer Rechenstörung eine entscheidende Rolle.

Häufige Anzeichen einer Dyskalkulie / Rechenstörung sind:

• zählendes Rechnen
• Zahlbeziehungen und Zerlegungen werden nicht erkannt
• Bündelungen und Stellenwerte werden nicht verstanden
• es bestehen unzureichende Vorstellungen von Operationen
• Analogien werden kaum gebildet
• Entwicklung von fehlerhaften Lösungsstrategien
• keine Vorstellung von Größenbereiche wie Zeit, Längen ...
 
Die Förderung bei einer Dyskalkulie / Rechenstörung ist Teil der integrativen Lerntherapie. Nach einer entsprechenden Diagnostik wird ein Therapieplan erstellt. Neben den schon genannten Inhalten einer Lerntherapie bildet der Erwerb effizienterer Rechenstrategien einen Schwerpunkt. Dazu wird meistens im Zahlenraum bis 10 begonnen. Der Grund liegt darin, dass Aufgaben meist zählend gelöst werden, die Aufgabensätze nicht automatisiert sind und im überschaubaren Zahlenraum am besten Einsichten in den Sinn der Operationen gewonnen werden können.
 
Das Verständnis für Zerlegungen wird mit dem Teile-Ganzes-Konzept erworben. Die Automatisierung der Zerlegung und das Verständnis für die Zerlegbarkeit von Zahlen ist eine Voraussetzung für jedes Rechnen mit Zwischenschritten.

Aus dem Verständnis für Zerlegungen ergeben sich die Operationen wie Addieren und Subtrahieren. 

Der Aufbau des Zahlenraums bis 20 erfolgt mit Hilfe der Analogiebildung zu den bisher gelernten Aufgaben bis 10.

Der Zehnerübergang ergibt sich aus der Erkenntnis zur Zahlzerlegung, die Zehn bildet dabei eine Zäsur.

Beispiel: 8+5=8+2+3 oder 14-6=14-4-2

Für die Erschließung höherer Zahlenräume spielen das Prinzip der Zehnerbündelung und die Stellenwertschreibweise eine wichtige Rolle. Bei der Addition und Subtraktion bis 100 ist es zunächst sinnvoll, die Aufgaben zu bearbeiten, die als Analogie zum Zahlenraum bis 20 erkannt werden können.

In der Erarbeitung des Malnehmens muss die fortlaufende Addition desselben Summanden deutlich werden. Erst wenn der Operationsbegriff gesichert ist, können Wege des schnelleren Berechnens thematisiert werden. Erst nach dem Erlernen der Kernaufgaben (1*x, 2*x, 5*x, 10*x) können weitere Aufgaben durch verschiedene Strategien abgeleitet werden.